Mastering und viel zu laute Musik

Hallo werte Musikergemeinde,

subwoofer1heute möchte ich aufgrund zahlreicher ungeklärter Diskussionen ein wenig über das Abmischen / Mastering von Musik schreiben, besonders im Bezug auf die Musikrichtungen Hip Hop und Drum and Bass, mit und ohne Gesang. Ich selber bin Laie und habe von Frequenzen usw. so gut wie keine Ahnung, alles was ich anbieten kann ist ein geschultes Gehör und meine persönliche Meinung.

Nach nunmehr 26 Jahren täglichen HipHop-Konsum und Musik im Allgemeinen, kann ich evtl. dazu beitragen, ein wenig Licht in dieses Thema zu bringen, bzw. von Euch Ideen bekommen, wie man Sounds so abmischt, sodaß sie überall gut klingen, nach dem Motto: warum klingt das so fett, und meins nicht? :)

Wie höre ich Musik und womit?

Ein wenig Historie eines Musikliebhabers:

Früher war der “Walkman“, der Firma Sony einer meiner ersten tragbaren Kassettenplayer, wer cool war und es sich leisten konnte, hatte einen DD Quartz. Aiwa und weitere Hersteller bauten derzeit auch sehr gute Geräte. Ich hatte im Laufe der Jahre schätzungsweise 20 verschiedene Geräte. Einige wurden mir auch von netten Mitbürgern abgezogen, aber das ist ein anderes Thema. 

Als Kopfhörer waren generell diese Stöpsel, oder einfache Bügelkopfhörer dabei, die mitgelieferten Teile wurden meistens durch andere ausgetauscht. Es gab einige Modelle, die mehr Bass usw. hatten. Das Gerät wurde damals also schon mehr oder weniger klanglich optimiert. Desweiteren waren Kassettenrecorder (Ghettoblaster) in allen Ausführungen sehr beliebt. Aufgenommen wurden die Songs meistens von Schallplatten auf Kassetten und das Aufnahme-Signal wurde immer unterhalb des roten Bereichs eingestellt, manchmal wurde auch mehrfach Aufgenommen, wenn z.B. die lauteste Stelle in einem Lied ein “Clipping” erzeugt hat, also alles nochmal von vorne.

Bei meinem asbach-uralten Kassettenrecorder habe ich gerne immer ein wenig mehr “Höhen” reingedreht, weil mir die Musik so etwas “klarer” vorkam. Dolby Rauschunterdrückung habe ich meistens weggelassen, weil der Klang mir so zu dumpf erschien, lieber mehr rauschen als ein dumpfer Klang.  Oder aber, wenn es sein musste, Dolby rein und Höhen noch mehr aufdrehen, so war das eben. :)

Heute stehen ganz andere Geräte und Möglichkeiten zur Verfügung, dazu später mehr.

Exzessiver Musik-Konsum

Geld ging damals für die Musik und das Skaten drauf, also hiess es:  jahrelang Bus- und Bahnfahren, den “Walkman” immer dabei. Musik war somit immer direkt am Ohr, und das recht laut möchte man meinen. Den anderen Leuten im Bus hat es manchmal gestört, es gab aber auch einige nette Erfahrungen, wo mich z.B. Jugendliche gefragt haben, was ich denn da höre und wo man es bekommen kann, so habe ich auch einen Freund gefunden, mit dem ich die Freude an der Musik seit nunmehr knapp 17 Jahren teile. Ich denke nicht, das meine Ohren durch diese laute Musik Schaden genommen haben, Hörtests waren bis vor kurzem noch sehr zufriedenstellend. Dennoch: unbedingt aufpassen und laute Musik nicht über einen längeren Zeitraum hören, auf Konzerte etc. sind Ohrenstöpsel (gibt es beim HNO-Arzt als individuelle Anfertigung!) sehr zu empfehlen.

Musik von heute ist oft zu laut / übersteuert

Es hat sich viel getan, Technik ist in unseren Landen für einen Grossteil der Bevölkerung erschwinglich geworden, und hightech dringt bis in die Schlaf- und Kinderzimmer der Menschen. Die “Haltbarkeit” diverser Songs hat parallel dazu rapide abgenommen. Man könnte meinen, Musik hat sich inflationiert, Quantität, statt Qualität. Die Welt der Musik wurde zunehmend digitalisiert. Vielen Menschen ist der Klang, bzw. die Dynamik und die “Seele” von Musik mittlerweile mehr oder weniger egal geworden, verschiedene Radiosongs werden immer ähnlicher bis nahezu gleich gemastered, irgendwie klingt anscheinend ein “R´n B – oder Techno”- Song wie der Andere, woran liegt das? Weil jeder vom anderen “Erfolg” kopiert und versucht es ebenfalls so zu machen? Gleiche Mikrofone, gleiche Studios, gleiche Gesangslehrer, gleiche Produzenten oder auch sehr oft gleiche Musik, mit nur wenigen Abweichungen? Einiges davon trifft sicherlich zu und erklärt auch, warum viele Musikfans – Musik von heute - als “Abklatsch” bzw. “Eintagsfliegen” bezeichnen, es war irgendwie alles schon einmal da, dennoch bleibt festzuhalten: Musik war noch nie so laut wie heute.

In einem Artikel des Magazins “SFT” habe ich auf der letzten Seite einen interessanten Artikel gelesen, indem darüber geschrieben wurde, dass Musik heutzutage oftmals viel zu laut und übersteuert aufgenommen wird, jeder will irgendwie lauter klingen als der Andere. Dem Artikel kann ich zu 100% zustimmen, denn so ist es. Es gibt bereits zahlreiche Gruppen, bei denen sich die Fans beschwert haben, dass z.B. die entsprechende Cd (Platten kommen ja leider nichtmehr so oft vor)  zu laut, verzerrt und klanglich absolut daneben aufgenommen wurde.  Wer Fan einer bestimmten Gruppe ist, und Unterschiede verschiedener Alben heraushören kann, hört sehr schnell heraus sobald da etwas nicht stimmt. Man kauft sich ja auch nicht ständig eine neue Stereoanlage und kann somit eine alte Cd mit einer neuen sehr gut vergleichen.

Diskussionen zum Mastering

Ohne Fachwissen und ohne Hintergrundinformationen bin ich der Meinung, allein vom Hören der Musik in Sachen Mastering mitreden zu können, ich würde es als jahrelanges Training bezeichnen. Wichtig ist dabei vor allen Dingen wo, und wie ich die Musik höre und wie laut. Da stehen uns erfreulicherweise gleich mehrere Möglichkeiten zu Verfügung:

- Musik im Auto
- Im Tonstudio mit Studio-Monitoren
- Am Pc mit einem preiswerten 2.1-System
- Auf der Heimanlage
- Im tragbaren Mp3-Player
- Auf einem Mono-Kassettenrecorder

Das Auto als idealer Raum für Musik

Das Auto ist für mich der ideale Ort, um meine Beats, oder die Songs unserer Band zu überprüfen. Hier kann ich mal auf einen Parkplatz fahren, wo niemand ist, und mal so richtig schön aufdrehen. Zur Verfügung steht ein Mini-Van mit einem relativ grossen, gut abgedichteten Innenraum und einer vernünftigen Anlage. Als Zuspieler dient ein JVC KD AVX2 – DVD-Receiver mit einer MOS-FET-Endstufe – 4×50 Watt. Der Subwoofer ist ein Hifonics Atlas ASX 12 BP (Laut Test Car & Hifi 6/2005: Spitzenklasse Note 1,5!), ein wenig älter also. Der Subwoofer ist ein sehr schweres Gerät, er wiegt mit Verstärker, Powercap und Podest über 50 Kg! Vorne und Hinten sind ebenfalls Hifonics 2-Wege Koaxlautsprecher mit “Warrior” Frequenzweichen vom Fachmann eingebaut worden (Die Lautsprecher bringen einen guten Klang, die Kickbässe sind evtl. ein wenig schwach). Der Verstärker für den Subwoofer und das Powercap sind zwei hochwertige Produkte aus den USA. Als Show-Car oder Klang-Refferenz geht das Gesamtkonstrukt nicht unbedingt durch, konnte aber schon auf dem einen oder anderen “Autotreffen” die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen, dass liegt meiner Meinung aber auch daran, das Songs gespielt wurden, die einfach super gemastered sind und fett klingen, meistens sind das dann Drum and Bass-Songs, dort wird sehr häufig das gesamte Frequenzsprektrum schön ausgereizt (wie immer das auch aussehen mag -wie gesagt, keine Ahnung, hier seit Ihr gefragt).  Der Equalizer ist im Auto generell aus, bzw. alles auf null gestellt.

Eine Drum and Bass-Legende aus Deutschland meinte auf einem Workshop in Hamburg zum Thema Mastering einmal: “Drum and Bass ist die Königsklasse des Mastering“, ich stimme dem zu.

Im Tonstudio kann ich über die Studio-Monitore die Musik ebenfalls laut hören und feststellen, welche Instrumente und Spuren wie einzustellen sind. Die gesamte “Musikkette” hat ausserhalb des Computers keinen Equalizer, somit kann die Musik relativ unverfälscht wiedergegeben werden.  Wie im Artikel “Ein preiswertes Tonstudio” bereits beschrieben, haben sich mehrere Musiker, aufgrund von Hörproben, ebenfalls für die BX8a-Monitore von M-Audio entschieden. Ich denke hier kann man bereits einiges an Klang erwarten.

Am Heim-Pc hängt ein Logitech-Z3 System, was erstaunlich gut klingt. Die Profi-Musiker unter Euch würden mich für diese Aussage sicher am liebsten gleich Lynchen, dennoch bin ich mit dem Set sehr zufrieden, für den Preis konnte ich bis dato nichts besseres finden. Ausserdem bin ich kein Profi :P . Der aktive Subwoofer und die kleinen (sehr schweren) Lautsprecher klingen irgendwie toll. Naja ich steh ja auf Höhen und Tiefen, zum Beatbasteln reicht es, im Studio kann nachgebessert werden. Anmerkung: einer der (meiner Meinung) nach besten und ambitioniertesten Beatbauer Deutschlands (wovon es in der Tat einige gibt – Deutschland ist ein Musikliebhaber-Land) benutzt auch das Z3-2.1 Lautsprecher System, wer das ist, verrate ich nur bei nachweisbarem Interesse und entsprechendem Feedback zum Artikel. :)

Soll heissen: Teuere Technik ist nicht immer ein Wundermittel für fette Sounds (siehe Amiga 500 Protracker Songs)!

Desweiteren höre ich eigene Songs, wenn möglich auf vielen verschiedenen Abspielgeräten, wie z.B.  auf der Heim-Anlage (die man leider nicht sehr laut aufdrehen kann, wenn man Nachbarn hat, also muss es auch leise gut klingen). Dann noch die tragbaren Mp3 Player und weitere kleinere Geräte bis hin zum Mono-Kassettenrecorder, der unter Umständen sehr wichtig sein kann, denn Musik muss auch dort gut klingen und Stereo-Effekte dürfen nicht so ausgeprägt sein, gleiches gilt für Songs in kleineren Konzerträumen, wie soll da ein ausgeprägter Stereo-Effekt hörbar sein, wenn 100 Leute zwischen den Lautsprechern stehen, ein bischen mehr mono schadet auch hier nicht.

Wer hat denn nun recht?

In den Gesprächen rund ums Mastering komme ich mir immer ein wenig wie der “lonely rider” vor, der mit seiner Meinung alleine dasteht. Viele Musiker wollen die Songs für meinen Geschmack immer etwas zu laut mastern. Es ist ja nicht so, das es unbedingt falsch ist, dennoch kann ich “laute” Songs z.B. im Auto nicht so aufdrehen wie “leisere” Songs, weil es dann unwillkürlich “übersteuert” bzw. scheppert. Andere Songs, welche “leiser” gemastered wurden, klingen wiederum bis zum Anschlag sauber und glasklar und sind dennoch superlaut. Die Frage ist halt: Wie laut muss es sein und wozu kaufen sich die Leute fette Anlagen, mit Subwoofer und super viel Power wenn sie 1. die Musik so gut wie nie laut hören können (Nachbarn etc.) und 2. ein bis zum Anschlag hochgepowerter Song einem keine Wahl zur Klangregulierung lässt?  Oder sind die Songs oftmals schon im Mix übersteuert und werden dann einfach nur bis 0 db gekappt? Wahrscheinlich verwechsle ich hier Mastering mit Lautstärke usw. , das mag sein, Laie eben. Das Fazit ist aber: Viel zu viele neumodischen Cd´s klingen einfach viel zu extrem übersteuert, besonders dieser komische Gangster-Rap oder was das sein soll. 

Geht die Dynnamik verloren?  Gehen Details verloren? Verliert die Musik sogar Ihre Seele?

Fragen über Fragen, bei denen ich hoffe Anworten zu bekommen, und zwar von Euch! ;)

Hier mal eine WAV – Kurve direkt von CD eines Songs (Aphrodite feat. Beverly Knight – Sometimes), den ich bis zum absoluten Anschlag aufdrehen kann und dabei immer noch einen glasklaren Klang habe (maximum ist -2 bis -3 db):

mastering-perfekto1

 

 

 

 

 

 

Und so oder ähnlich sehen übertrieben hochgedrehte Pegel kommerziell erfolgreicher Lieder auch gerne mal aus (ein lautes Hören der Musik – besonders im Auto - ist hier nahezu unmöglich):

mastering-schlecht1

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich verabschiede mich für heute mit einem Zitat aus der Webseite von Duophonic.de, das da lautet:

“Mach Deinen Mix nicht so laut wie kommerzielle CDs. “….” … Nein, mach einfach alles leiser!”

Linktipp:

Mastering für hiphop, drum and bass und mehr 

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • MySpace
  • Technorati
  • YahooMyWeb
  • BlinkList
WP Greet Box icon
Wilkommen! Falls Du diese Seite interessant und nützlich findest, möchtest Du evtl. auch unseren RSS Feed abonnieren? Ich würde mich sehr freuen, Dich mit den aktuellsten Themen auf dem Laufenden halten zu dürfen.

serato scratchm-audiotechnics mk2

Defshop.de - Hip Hop Bekleidung online!